Es gibt sie noch, die guten Gasthäuser

© Martin Hofmann
Der Gastraum ist oft holzvertäfelt, an den Wänden hängen Geweihe, alte Ansichten aus der Gegend oder Familienwappen, ein Stammtisch thront in der Stube – und mittendrin steht eine Wirtin oder ein Wirt mit ganz viel Engagement und Herzblut: So kennt man es, das gute, alte Gasthaus. Während andere ihr Ende besingen, zaubern sie unermüdlich in der Küche hinter Töpfen und Pfannen, unterhalten ihre Gäste vor der Schank und auf der Terrasse und bewahren so behände ein Kulturgut. Die Wirte von heute renovieren und investieren, denken und handeln regional und schaffen so eine Symbiose aus Traditionellem und Modernem – Stillstand sieht anders aus.
Der Mittelpunkt
Wie im Gasthof Alte Point in Arriach: Arriach ist der geografische Mittelpunkt Kärntens – und die Alte Point Mittelpunkt der Geselligkeit. Direkt am Dorfplatz trotzt es dem vielzitierten Wirte-Sterben. Chef Bernhard Trügler verrät das Geheimnis seines Erfolges: „Wir gehen mit der Zeit und bleiben trotzdem auf dem Boden – deswegen haben wir als alteingesessenes Wirtshaus eine Überlebenschance.“ In der Küche werden seit nunmehr 30 Jahren traditionelle Gerichte mit „neuzeitlichem“ Touch gezaubert.
Essen und reden
Am Herd muss nichts neu erfunden werden – und im Gastraum wird nicht nur gegessen, sondern auch viel geredet. „Als Wirt musst du offen sein und zu den Leuten hingehen, so bleibt das Wirtshaus ein Kommunikationszentrum“, verrät Trügler Geheim-Rezept Nummer zwei. Dass auf den Tellern hauptsächlich regionale Produkte landen und Bernhard und Claudia Trügler auf die Natur schauen, ist ein weiteres Rezept ihres Erfolges. Außerdem haben die beiden auch in ihrer „Freizeit“ nur ihr Gasthaus im Kopf: Während eines Italien-Ausflugs wird in Monfalcone noch schnell ein bisschen Bärlauch für das nächste Gericht geschnitten. Besonders beliebt ist bei Einheimischen wie Touristen auf jeden Fall der Schweinsbraten: „Das Fleisch stammt von einer alten Schweinerasse, dem Duroc-Schwein. Dazu gibt es Frühkrautsalat und Serviettenknödel“, so der Chef.
Wiener Schnitzel aus der Pfanne
Traditionelles wie Schweinsbraten oder Wiener Schnitzel findet man auch auf der Speisekarte vom Gasthof Deutscher Peter am Loiblpass. Das Schnitzel kommt übrigens direkt aus der Pfanne auf den Teller – Fritteuse braucht der Gasthof dafür keine. Seit dem Jahre 1500 wird hier ausgekocht. Jetzt, im 21. Jahrhundert, blickt die Familie Tschauko nicht nur auf ein Gasthaus samt Landwirtschaft, sondern auch auf eine eigene Destillerie, eine kleine, aber feine Schokoladenmanufaktur, eine Nudelwerkstätte, einen Streichelzoo und ein umgebautes Wasserkraftwerk. Ihr Erfolgsrezept? „Die ganze Familie ist mit Herz und Seele dabei – jeder hat seine Aufgaben“, erklärt Peter Tschauko.
Pralinen und Tannenzapfen
Während Tochter Selina Pralinen mit Tannenzapfenschnaps und Schokolade mit selbst gemachtem Eierlikör herstellt, entstehen im Nebenraum in einem Jahr bis zu 20.000 selbstgemachte Nudeln. Wie auch sonst alles hier selbstgemacht ist. Und trotzdem sagt Selina Tschauko: „Bei uns läuft das so nebenbei.“ Denn all die Schauplätze, die für die Familie viel Arbeit bedeuten, sind nur einem Ziel geschuldet: „Dass die Gäste zufrieden sind.“
Über die Grenze
Zufrieden sind die Gäste auch im Gasthaus Jezersko in Slowenien. Das Lokal am Planšarsko-See an den Nordhängen der Steiner Alpen eignet sich sehr gut für einen Ausflug in die Natur. An der Stelle des heutigen Gasthauses stand einst ein Sägewerk, das in den 1970er Jahren in ein Gasthaus umgewandelt wurde. Nun wurde es erneut renoviert – von Aleš und Renate Petek. Mit der Zeit zu gehen ist ihnen wichtig – auf den Tellern hingegen landen traditionelle Speisen. Die Wirte servieren hier seit nunmehr zehn Jahren Gutes aus der Region. Ihre Spezialität? „Štruklji mit Brösel“, eine Art süßer oder pikanter Topfenstrudel, erklärt Aleš Petek. Beliebt ist auch die gegrillte Forelle mit Bratkartoffeln sowie das gebratene Lamm. Einen Spaziergang rund um den herzförmigen See sollte man also am besten vor dem Essen einplanen.
Weitere Beiträge

























