Padua ist gar nicht ohne 

Eine Wiese ohne Gras, ein Kaffeehaus ohne Türen und ein Heiliger ohne Namen … Padua wird die „Stadt der Drei ohne“ genannt. Dabei hat die alte Universitätsstadt viel an Geschichte, Kunst und Kultur zu bieten.
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Zentrum des Prato della Valle ist eine Insel, die von einem Wasserkanal mit vier Brücken und 78 Statuen umrundet wird; im Hintergrund die Basilica di Santa Giustina.

Einen Parkplatz im Zentrum finden – das kann man gleich vergessen. Am besten stellt man das Auto am Parcheggio Prato della Valle ab und spaziert in die Altstadt hinein. Dabei kommt man gleich bei der ersten Sehenswürdigkeit vorbei, dem Prato della Valle, der „Wiese im Tal“, wo aber nur wenig Gras wächst. Der Platz zählt zu den drei größten in Europa und ist ein beliebter Treffpunkt, Veranstaltungsort und Marktplatz. Vor allem am samstäglichen Wochenmarkt spielt es sich hier ab, denn Italiener lieben es, auf dem Mercato einzukaufen.

Blick von den alten Arkadengängen auf die Basilica di Sant’Antonio.

Blick von den alten Arkadengängen auf die Basilica di Sant’Antonio.

Größer, älter, berühmter
Unübersehbar ist die mächtige Basilica di Santa Giustina am Platz, eine der weltweit größten Kirchen. Gleich daneben liegt der „Orto Botanico“, der älteste botanische Universitätsgarten der Welt, gegründet 1545. Hier wurden die ersten Kartoffeln und Sonnenblumen in Europa gezüchtet, Besonderheit ist eine über 400 Jahre alte eine Zwergpalme. Über die Via Orto Botanico flanieren wir zur berühmten Basilika des Heiligen Antonius von Padua, die zu den meistbesuchten Pilgerstätten Italiens zählt. Sie wird von den Einheimischen nur „Basilica del Santo“ oder „Santo“ genannt (daher der „Heilige ohne Namen“) und beherbergt neben den Reliquien des Heiligen Antonius auch Werke berühmter Künstler wie Donatello. Ein weiterer hat sich in der Scrovegni Kapelle (Cappella degli Scrovegni) im Norden der Stadt verewigt: Giotto, der hier seinen großen Freskenzyklus geschaffen hat. 

Der historische Seziersaal „Teatro Anatomico“ aus dem 16. Jahrhundert schrieb Geschichte.

Der historische Seziersaal „Teatro Anatomico“ aus dem 16. Jahrhundert schrieb Geschichte.

Stätte der Gelehrten
Über die Via del Santo schlagen wir den Weg zum Palazzo del Bo ein, Sitz der Universität von Padua, die vor über 800 Jahren gegründet wurde. In der zweitältesten Universität Europas lehrten berühmte Wissenschaftler wie Galileo Galilei und hier wurde der ersten Frau der Welt, Elena Lucrezia Cornaro Piscopia, ein akademischer Titel verliehen. Ein Highlight ist das erste permanente „Anatomische Theater“ der Welt, wo schon im Mittelalter die Leichen zum Tode Verurteilter im Geheimen seziert wurden. Muss schon ein richtiges Spektakel gewesen sein, denn nicht nur Medizinstudenten, sondern auch andere Dozenten und sogar Damen schauten bei den Obduktionen zu, die von Live-Musik untermalt wurden, wohl um dem Ganzen das Schaurige zu nehmen. 

Caffè mit Kultstatus
Ein beliebter Treffpunkt unter Studenten war und ist das Caffè Pedrocchi gleich neben der Uni. Das Kaffeehaus aus dem Jahr 1831 ist Kult und wenn man es betritt, wird man vom einzigartigen Charme vergangener Zeiten empfangen. Hier war jeder – vom Politiker bis zum einfachen Mann – gerne gesehen und bis 1916 war es rund um die Uhr geöffnet, daher „Kaffeehaus ohne Türen“. Der Palazzo am Hauptplatz ist nach wie vor Zentrum des gesellschaftlichen Lebens von Padua. In der Beletage findet man prunkvolle Veranstaltungsräume, im Erdgeschoß die Konditorei und das Kaffeehaus, das sich in drei Salons in den Farben der Tricolore gliedert. Im grünen Salon verkehrte das einfache Volk, vor allem Studenten, doch jeder durfte hier Platz nehmen und sich aufwärmen, ohne Konsumationszwang. Herzstück ist der rote Salon mit der beeindruckenden Theke, Treffpunkt von Bürgerschicht und Geschäftsleuten. Und der weiße Salon, heute ein elegantes Bistro, war für die wohlhabende Gesellschaft bestimmt. Übrigens: Man verlässt das Pedrocchi nicht, ohne den Caffè Pedrocchi getrunken zu haben – eine außergewöhnliche, aber köstliche Kreation! 

Imposanter Palast
Gleich neben dem Pedrocchi liegt der Palazzo Moroni oder Palazzo del Comune mit dem Rathaus. Ein Komplex aus verschiedenen Gebäuden unterschiedlicher Epochen, der direkt an den Palazzo della Ragione, den ehemaligen Gerichtspalast, grenzt. Das gigantische Gebäude aus dem 13. Jahrhundert wird Sie beeindrucken, vor allem der große Salon im ersten Stock mit 82 Metern Länge und 27 Metern Breite – ein Meisterwerk der damaligen Zeit.

Darunter findet man ein wahres Feinschmeckerparadies: Den „Mercato sotto il salone“ mit seinen einladenden Feinkostläden und Gastro-Ständen. Südlich und nördlich davon liegen die Piazza delle Erbe (Kräuterplatz) bzw. Piazza della Frutta (Obstplatz), wo sich das tägliche Marktleben abspielt. 

Bigoli, Bigoi im venezianischen Dialekt, sind die typischen Nudeln der Region.

Bigoli, Bigoi im venezianischen Dialekt, sind die typischen Nudeln der Region.

Einfach und gut
Die typische Pasta sind „Bigoli“: lange Nudeln ähnlich wie Spaghetti, aber viel dicker und mit einer rauen Oberfläche, die dafür sorgt, dass die Soße perfekt haften bleibt. Traditionell werden Bigoli mit Entenragout (all` anatra), Fleischragout (ragù di corte) oder mit Zwiebeln, Sardellen oder Sardinen (in salsa) serviert. Ein Klassiker der paduaner Küche ist der „Gran Bollito Misto“, eine Art Eintopf aus verschiedenen Fleischsorten, zu dem die berühmte Krensoße (salsa cren) und ein herrlicher Rotwein, etwa ein Bagnoli Friularo, gereicht wird. Die berühmteste Süßspeise der Stadt ist die „Torta Pazientina“, die angeblich so heißt, weil man viel Geduld (italienisch pazienza), haben muss, da sie so aufwändig zuzubereiten ist. Jedenfalls besteht sie aus mehreren Teigschichten, Vanillecreme und wird mit dunkler Schokolade verziert.

Fazit
Padua ist eine faszinierende Mischung aus Antike und Moderne, Tradition und Avantgarde. Egal, ob man sich für Geschichte, Kunst oder Kultur interessiert, gerne ausgeht, gut isst oder einen Einkaufsbummel machen möchte – die Stadt im Veneto ist ein Geheimtipp unter Italienfans. 

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