Olivenöl in Friaul-Julisch Venetien 

Olivenöl war nicht immer ein so begehrtes Lebensmittel, in unseren Breitengraden zumindest. Heute sprechen wir von reinsortigen Ölen, fruchtig oder scharf – und blicken dabei direttissima zum südlichen Nachbarn.
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Im Mai, Juni blühen in Friaul-Julisch Venetien die Olivenbäume.

Was wäre ein Teller dampfende Pasta ohne einen Schuss Olivenöl darüber? Oder ein knackiger Salat, gegrilltes Gemüse? Eben. Die südliche Küche ist uns heute beinah so vertraut wie unsere eigene. Dabei gab es Zeiten, da wurde Olivenöl in nördlicheren Ländern nicht besonders goutiert: Im 18. und 19. Jahrhundert etwa ließen sich deutsche oder englische Reisende in Italien „Besseres“ von zu Hause kommen. Gar der wohl berühmteste Italienreisende, Johann Wolfgang von Goethe, suchte die vertraute heimische Kost. 

Die Olivenernte im Herbst, wie hier bei Parovel, ist aufwendige Handarbeit.

Die Olivenernte im Herbst, wie hier bei Parovel, ist aufwendige Handarbeit.

Hochwertiger Lebensstil
Erst spät verhalf ausgerechnet ein amerikanischer Ernährungswissenschafter dem Olivenöl zur Akzeptanz als gesundes und hochwertiges Produkt: In den 1970er-Jahre prägte Ancel Keys den Begriff der Mittelmeerdiät. Seither gilt der Genuss von Olivenöl – neben reichlich Gemüse, Obst, Fisch und, ja, auch Wein in Maßen – als gesundheitsförderlich.

Je nachdem, ob für robuste Fleischspeisen oder zarte Salate: Für alles gibt es das richtige Olivenöl!

Je nachdem, ob für robuste Fleischspeisen oder zarte Salate: Für alles gibt es das richtige Olivenöl!

Wertvolles Handelsgut
Ursprünglich war der Olivenbaum (Olea europea) in Syrien und Persien beheimatet. Von dort gelangte er nach Griechenland und schließlich nach Sizilien. Die Kultur des Olivenöls verbreitete sich über Rom weiter aus nach Norden und es wurde zum wertvollen Handelsgut. Heute finden wir in Friaul-Julisch Venetien Ortsbezeichnungen wie Oleis und Ronco degli Ulivi, was uns sagt, dass es hier schon vor langer Zeit Olivenanbau gab. Im 18. Jahrhundert wurde dieser während der Habsburger-Herrschaft besonders rund um Gorizia – die Stadt galt als „österreichisches Nizza“ – gefördert. Schlimme Kälteperioden, die Weltkriege und der verstärkte Weinanbau führten allerdings dazu, dass die Olivenkulturen in Friaul-Julisch Venetien verschwanden. 

Wiederentdeckte Tradition
Seit den 1990er-Jahren gibt es eine Renaissance des bedeutenden Erbes. So finden sich wieder einige kleine Produzenten, die auf insgesamt circa 350 Hektar mit traditionellen Produktionsmethoden Olivenöl herstellen. Hauptanbaugebiete sind der Triestiner Karst, das Görzer Hügelland, die Colli Orientali rund um Cividale, Buttrio und Rosazzo sowie im Westen der Region etwa San Daniele oder Aviano.

Die Olivenölproduzenten in Friaul-Julisch Venetien sind, so wie Olio Ducale, kleinstrukturiert und Familienbetriebe.

Die Olivenölproduzenten in Friaul-Julisch Venetien sind, so wie Olio Ducale, kleinstrukturiert und Familienbetriebe.

Fein und komplex
Die besonderen Qualitäten des Olivenöls generell sind sein Gehalt an Vitaminen und Antioxidantien. Olivenöl, das so weit nördlich entsteht, gilt als fein und komplex. Außerdem hat es einen höheren Anteil der wichtigen ungesättigten Fettsäuren als Öle aus südlicheren Gebieten. Somit ist die Region ein idealer Boden für Olivenbäume, wobei natürlich Kälteeinbrüche immer ein Risiko darstellen. Das friulanische Olivenöl zeichnet sich außerdem durch seinen leicht bitteren und scharfen Geschmack aus. Es reichen schon ein paar Tropfen, um Fleisch, Fisch oder Gemüse den ultimativen Geschmackskick zu geben. Wodurch wir zurück bei der Einstiegsfrage wären, die hiermit wohl beantwortet ist.

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