Tazzelenghe: Ein Gaumenschmeichler, der Zungenschneider

Vermehrt stehen beim Wein die autochthonen Rebsorten wieder im Vordergrund. So auch bei unserem Nachbarn Friaul-Julisch Venetien. Doch dabei gibt es bekanntere Vertreter – und solche, die zu den Raritäten zählen.
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Cristian Beltrame von der Tenuta Beltrame bei Palmanova ist einer der wenigen Tazzelenghe-Produzenten.

Auf der Suche nach dem Authentischen, dem Echten, stoßen wir bei unseren südlichen Nachbarn ganz klar auf eines ihrer wichtigsten Produkte, den Wein. Besonderes Augenmerk wird wieder auf die autochthonen Rebsorten gelegt. Quantitativ sind sie zwar in der Minderheit, doch gerade die „alteingesessenen“, regionstypischen Weine machen den Unterschied: Sie sind Zeugnis des Bodens, der klimatischen Bedingungen und natürlich der Menschen, die sie herstellen. Bekannt und beliebt sind die Weißen Friulano und Ribolla Gialla, unter den Roten Refosco und Terrano. 

Rettung für eine Rarität
Zu den selteneren, aber gleichzeitig herausragendsten autochthonen Weinen zählt der Tazzelenghe. Doch bedauerlicherweise steht er auf der roten Liste. Nicht nur der Farbe wegen, sondern weil er vom Aussterben bedroht ist. Das wäre wirklich jammerschade! Der Tazzelenghe ist bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgbar, von wo an er über 400 Jahre lang weit verbreitet war. 1978 wurde er gemeinsam mit seinen Brüdern im Geiste, dem Pignolo und dem Schioppettino, durch eine europäische Verordnung „gerettet“. Es war jene Zeit, als sich französische Rebsorten wie Merlot, Cabernet und Pinot anschickten, die internationale Weinwelt zu erobern.

Der Zungenschneider
Die Bezeichnung Tazzelenghe lässt jedenfalls schon erahnen, dass er kein „Lieber“ ist. Ein Zungenschneider ist er, was auf Friulanisch „tàce-lenghe“ heißt. Aber alles halb so wild. Es sind nur die Tannine gemeint, von denen seine Trauben reichlich enthalten. Diese Gerbstoffe legen sich auf die Zunge und lassen dieses zusammenziehende, pelzige, raue Gefühl zurück. Doch je länger ein Wein dieser Art reifen darf, desto besser werden die Tannine eingebunden – und der Wein wird „runder“. 

Bewahrer eines Kulturgutes
So dauert es etwa bei Cristian Beltrame von der Tenuta Beltrame nach mehreren Stationen im Stahltank beziehungsweise in Barrique- und Tonneaux-Fässern mindestens fünf oder sechs Jahre, bevor der Tazzelenghe in den Verkauf kommt. Aber dann …! Seine ältesten Reben stammen aus dem Jahr 1993. Insgesamt gibt es in ganz Friaul heute nur noch 55 Hektar Anbaufläche. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er es sich zur Aufgabe gemacht, dieses besondere Stück Kulturgut zu bewahren. Und weil der Tazzelenghe ein Wein mit Eigenschaften ist: Rubinrot, wenn er noch jung ist, später zeigt er sich Dunkelrot mit violetten Anklängen. Er duftet nach Unterholz, Tabak und Gewürzen, über Zunge und Gaumen fegt er mit Beeren- und Kräuternoten. Er passt perfekt zu deftigen friulanischen Gerichten wie Affettati (Aufschnitt) oder Wild und zu sehr reifem Käse. Mein Tipp: Kosten, um zu glauben!

Tazzelenghe-Produzenten:

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