Zwischen roter Erde und weißem Stein

© Burg / Visitz Stanjel
Der Karst ist keine laute Region. Er drängt sich nicht auf. Er erzählt leise – in Stein, in Wind, in Wein. Wer ihn wirklich verstehen will, braucht jemanden, der die Zwischentöne kennt. Einer davon ist Christian Zeichen aus Köstenberg, seit vielen Jahren Kenner und Liebhaber dieser einzigartigen Landschaft auf der slowenischen Seite des Karsts. Ein besonderer Glanzpunkt ist Štanjel (St. Daniel), hoch über der roten Erde gelegen. Enge Gassen, steinerne Häuser und eine Burg, die aufwendig restauriert wurde.
Ein Visionär
Untrennbar mit Štanjel verbunden ist der Name Max Fabiani – Architekt, Visionär und einst Bürgermeister des Ortes. Fabiani wirkte in Wien, kehrte aber in seine Heimat zurück, um hier Großes zu schaffen. Für seinen Schwager aus Triest plante er die Villa Ferrari – dafür verband er drei bestehende Häuser so geschickt, dass die gewachsene Dorfstruktur erhalten blieb. Unterhalb der Villa entstand der berühmte Ferrari-Garten, mit Terrassen, Brücklein und kunstvollen Sichtachsen. Ganz in der Nähe liegt die Villa Fabiani in Kobdilj, heute ein liebevoll revitalisiertes Hotel mit bewegter Geschichte. Hier baute Fabiani auch seinen Pikolit-Wein an – einen süßen Dessertwein mit geringem Ertrag, der heute als Delikatesse gilt.
Heimat des Teran
Nur wenige Kilometer weiter ist Dutovlje, einer der Hauptorte des Karsts. Hier pulsiert das Leben zwischen Weinbergen und Wirtshauskultur. Im Gasthaus „Ukmar“ wird serviert, was die Region ausmacht: etwa die deftige Jota, eine Krautsuppe mit Bohnen und Würstel – bodenständig und wärmend. Dutovlje liegt auf der berühmten „Terra Rossa“, der eisenhaltigen roten Erde. Hier wächst der rubinrote Teran, ein charaktervoller Rotwein, der einst sogar in Apotheken verkauft wurde – wegen seines hohen Eisengehalts als Stärkungsmittel. Der Teran passt hervorragend zu luftgetrocknetem Prosciutto. Wer tiefer eintauchen möchte, folgt dem rund zweieinhalbstündigen Teran-Weg. Unterwegs erzählen Schautafeln von der Geschichte des Dorfes, von Überresten der Isonzo-Schlachten, von Hirtenhäuschen, Grotten und Kavernen.
Prosciutto im Wind
Im Dorf Kobjeglava steht ein über 250 Jahre alter Maulbeerbaum, dessen Krone wie ein riesiger Pilz geformt ist. Er ist Wahrzeichen eines Bauernhofes, hier wird seit Generationen Prosciutto produziert. „Ein echter Prosciutto muss von der Bora getrocknet werden“, heißt es hier. Wenn der kalte Fallwind bläst, hängen die Schinken daher bei geöffneten Fenstern in den Dachböden.
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