Nächster Halt: Kärntens Schatzkammer

Die Koralmbahn bringt uns regionale Schätze noch ein Stück näher. Wie etwa St. Paul im Lavanttal, wo aus Obst tausend Köstlichkeiten entstehen – und im ehrwürdigen Stift alte Kostbarkeiten zu bestaunen sind. Alles aussteigen, bitte!
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Hans Köstingers Schätze lassen sich in Gläser füllen und auf Kuchenteller breiten. Mehr als 1200 verschiedene Köstlichkeiten finden jedes Jahr den Weg auf den St. Pauler Zogglhof, dem Refugium der Lavanttaler Mostbarkeiten. Hier kann Köstinger als ihr Obmann auf eine beachtliche Auswahl an Fruchtweinen, Fruchtsäften, Fruchtlikören, Fruchtessig und Fruchtbränden blicken.

Der tiefe Fall

Da scheint es fast unwirklich, das dem Apfelwein in St. Paul noch vor einigen Jahrzehnten der Weg in den Ausguss drohte. Von 1958 bis 1970 hatten Obstweine keine Bedeutung mehr und wurden nur von jenen getrunken, die kein Geld hatten. Dementsprechend verkommen war die Qualität. Erst 1970 begann man, sich des Wertes dieses traditionellen Kärntner Produktes zu entsinnen. Seit 1995 produzieren die Mostbarkeiten nun schon neben den Weinen aus einem Obstsortengemisch auch sortenreine Apfelweine. So entstehen flüssige Schätze in leuchtendem Orange, Goldgelb und sattem Rot.

Viel zu verkosten

Jetzt, im Frühling, ist eine Arbeit bereits getan: nämlich die der Verkoster. Ausgestattet mit Semmeln und Wasser haben sie sich am Zogglhof heuer durch nicht weniger als 800 klare Brände, 200 verschiedene Säfte und unzählige Essige gekostet. Und Köstinger verrät ein Geheimnis: „Am einfachsten zu verkosten ist Schnaps.“ Denn anders als bei den Säften und Likören täuscht hier kein Zucker die Geschmacksnerven und belegt trügerisch den Gaumen. Köstinger selbst hat natürlich auch seine Favoriten, echte Klassiker, die freilich außer Konkurrenz stehen: „Am liebsten trinke ich Apfelwein von der Lavanttaler Banane und esse einen Apfelstrudel mit Boskoop-Äpfeln.“

Alte Sorten

Eng mit der Obstproduktion verknüpft ist das Stift St. Paul. Hier wachsen und gedeihen alte Apfelsorten wie Bohnapfel, Machansker, Brünnling und Reneten. Das Obst wird händisch von den Bäumen geschüttelt und aufgelesen. Köstinger: „Zu Hochzeiten haben in St. Paul 130 Mönche gelebt, die sich auch viel mit Landwirtschaft beschäftigt haben.“ Dem Kloster habe man auch die berühmte Lavantttaler Banane zu verdanken.

Hinter den Stiftsmauern

Das ehrwürdige Benediktinerstift birgt hinter seinen Mauern aber noch viele weitere besondere Schätze. Das Museum ist das an Kunstschätzen bedeutendste des Landes. Neben dem Adelheidkreuz aus dem 11. Jahrhundert und kostbaren Goldschmiedearbeiten vieler Jahrhunderte, den Pretiosen von europäischem Rang, ist die Gemälde- und Grafiksammlung mit Werken von Rubens, Rembrandt, Dürer, Leonardo und anderen prominenten Meistern berühmt. Bedeutend ist die Büchersammlung, die allein 70.000 Folianten in der Schaubibliothek beherbergt und mit ihren 3.000 Handschriften ab dem 5. Jahrhundert (darunter das älteste Buch Österreichs) nach der Nationalbibliothek die bedeutendste Büchersammlung Österreichs darstellt. Bedeutend ist auch das Stiftsgymnasium, das Geschichte geschrieben hat.

Hochkarätig

Neben den Kunstschätzen sind es vor allem das barocke Gebäudeensemble des Klosters und die hochkarätige Musik des Kultursommers, die St. Paul zum Kulturzentrum des Lavanttals avancieren lassen.

Das Leise und das Laute

Hinhören lohnt sich, denn heuer steht der St. Pauler Kultursommer unter dem Motto Klangsprachen/Sprachenklang und widmet sich von 24. Mai bis 15. August der Vielfalt musikalischer und literarischer Ausdrucksformen. Jede Epoche, jede Künstlerin und jeder Künstler entwickelt eine eigene Klangsprache. Das Festival lädt dazu ein, das Leise und das Laute, das Alte und das Neue, das Vertraute und das Fremde zu entdecken. Auch das geschriebene Wort, hörbar umgesetzt, hat diesmal einen Schwerpunkt im Programm. So wird Sprache zum Klang.

Für alle Gangarten

Wer genug gehört, verkostet und bestaunt hat, kann sich im Lavanttal auch vortrefflich sportlich betätigen. Das „radelbare Lavanttal“ lässt sich auf rund 320 Kilometer markierten Strecken und rund 220 Kilometer langen familienfreundlichen Radwegen erkunden. Der R10 Lavantradweg ist von Reichenfels bis Wiesenau und von Frantschach-St. Gertraud bis nach Lavamünd bestens geeignet für Genussradfahrer und Familien. Flach dem Flusslauf folgend und immer in der Nähe von Einkehrmöglichkeiten und Ausflugszielen ist er ein Radweg für alle Gangarten. Eine weitere leichte Radtour liegt im Grenzgebiet von Kärnten und Slowenien. Die Tour führt über die Grenze bis nach Dravograd und Slovenj Gradec.

Nächster Halt

Und danach? Einfach wieder in den Zug einsteigen und beim nächsten schönen Koralmbahn-Halt aussteigen, schauen und genießen…

Alle Infos zum St. Pauler Kultursommer

46. St. Pauler Kultursommer von 24. Mai bis 15. August, alle Programmpunkte unter: www.sanktpaulerkultursommer.at

Alle Infos zu den Mostbarkeiten

Mostmesse: Sa., 2. und So., 3. Mai 2026

Einmaischseminar: Sa., 29. August 2026

Brennseminar Teil 1: 21. und 22. November 2026

Apfelwein und Saftseminar: 28. und 29. November 2026

Brennseminar Teil 2: 5. und 6. Dezember 2026

Likörseminar: 23. und 24. Januar 2027

Essigseminar: 30. und 31. Januar 2027

Baumschnitt in Streuobstanlagen: 13. Februar 2027

Führungen und Verkostungen sind ganzjährig möglich, alle Infos unter:  www.mostbarkeiten.at

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