Amarone, ein großer Italiener

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Der Faktor Zeit spielt beim Amarone della Valpolicella eine große Rolle, wie uns Giuseppe Bussola vom gleichnamigen Weingut in San Peretto bei Negrar erzählt. „Von der Ernte über die Herstellung und Reifezeit bis zum Verkauf müssen mindestens fünf Jahre vergehen, in unserem Weingut sind es noch mehr“, erzählt der jüngere der beiden Söhne von Tommaso Bussola, der das Weingut 1983 von seinem Onkel übernahm.
Als er begann, wurden hier noch Weine nach der klassischen Valpolicella-Tradition erzeugt. Doch Tommaso wollte es anders machen, für den Neo-Winzer standen höchste Qualität, Handarbeit und die Liebe zum Gebiet immer im Vordergrund. Mit viel Engagement und Innovationsgeist stellte er den Betrieb um, verzichtete auf Pestizide im Weingarten, setzte auf Nachhaltigkeit, höchste Hygiene im neuen Weinkeller, persönliche Selektion der Trauben, führte die Verwendung kleinerer Fässer ein und schuf ein kleines, aber feines Weingut, das heute große Weine hervorbringt.
Voller Charakter
Im Laufe der Verkostungstour, die man unter bussolavini.com/de/ buchen kann, erfahren wir viel Interessantes über den Amarone. Der Name leitet sich von „amaro“ ab, was so viel wie „bitter“ bedeutet. Allerdings schmeckt er für mich keinesfalls bitter, sondern fruchtig, kräftig, elegant und intensiv. Mit 17 und 17,5 Prozent ist er kein Leichtgewicht, sondern ein opulenter Rosso, der bei 18 bis 20 Grad serviert wird. Amarone ist der perfekte Begleiter zu kräftigen Fleischgerichten, Wild, reifem Käse oder dunkler Schokolade.
Außergewöhnliche Methode
Hauptanteil hat die Traube Corvina, dazu dürfen Corvinone, Rondinella und Molinara gemischt werden. Aroma und Stil verdankt der Amarone einem Herstellungsverfahren, das „Appassimento“ (Verwelken) genannt wird. „Die Trauben werden im September per Hand gelesen, in kleine Holzkisten gelegt und in gut durchlüfteten Räumen auf Holzgestellen getrocknet. Das dauert bis zu 120 Tage, in denen die Trauben ständig überwacht, gewendet und umsortiert werden. In dieser Zeit verlieren sie bis zu 50 Prozent Wasser, während der Anteil an Zucker und Aromastoffen steigt. Erst wenn die Beeren fast zu Rosinen getrocknet sind, werden sie selektiert und gepresst“, erklärt der Jungwinzer.
Viel Handarbeit
Nach rund zweimonatiger Gärung im Stahltank wird der Wein in Holzfässer umgefüllt: „Unser Amarone della Valpolicella D.O.C.G. Classico reift 48, der Classico Riserva 66 und der Classico Vigneto Alto 90 Monate in Holzfässern unterschiedlicher Art und Größe.“ Danach werden die Weine in Flaschen abgefüllt und reifen weitere sechs Monate beziehungsweise zwei Jahre, bevor sie in den Handel kommen. Also viel Handarbeit, viel Zeit, wenig Ertrag und viel Zucker – das rechtfertigt den hohen Preis (65 bis 180 Euro) sowie Alkoholgehalt dieses außergewöhnlichen Rotweines. Bis zur „Vollendung“ braucht es auch noch etwas Geduld, denn man sollte dem edlen Tropfen ein paar weitere Jährchen geben, damit er seine wahre Größe entfaltet kann.
Im Veneto
Das ursprungsgeschützte DOC- und DOCG-Weinbaugebiet liegt im Veneto zwischen Verona, Lessinischen Bergen und Gardasee, wo mediterrane Wärme und alpine Frische aufeinandertreffen. Schon die Römer bauten hier Wein an – Valpolicella bedeutet „Tal der vielen Kellereien“ – und es ist heute ein beliebtes, aber nicht überlaufenes Paradies für Weinliebhaber und Gourmets. Die besten Lagen findet man im Gebiet des Valpolicella Classica rund um die Dörfer Fumane, Marano und Negrar, die Weingärten liegen zwischen 250 und 450 Metern Seehöhe. Typisch sind Rotweine wie Valpolicella, Valpolicella superiore, Ripasso, Amarone und der Süßwein Recioto. Zu den autochtonen Rebsorten zählen Corvina, Corvinone, Rondinella und Molinara.
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