Am wilden Fluss der Abenteuer

© privat
Einer, den ein ganz enges Band mit dem Fluss verbindet, ist Gerhard Dörfler: „Der Tagliamento ist für mich zu einem Lebenspartner geworden, den ich fast jede Woche besuche.“ Diese besondere Beziehung begann im Dezember 2017: „Aus Neugier und Entdeckungslust machten wir uns auf, um diesen ursprünglichen Alpenfluss zu erkunden.Wir fuhren bei Minusgraden los und als wir bei Moggio Udinese – unseres Glaubens am Tagliamento – ausstiegen, waren wir überrascht, denn es hatte unglaubliche 24 Grad.“
Das sollte aber nicht die einzige Überraschung bleiben, wie der ehemalige Landeshauptmann von Kärnten erzählt: „Wie viele andere auch verwechselten wir die türkisblaue Fella, die von Tarvis durch das Kanaltal fließt, mit dem Tagliamento, in den sie aber erst bei Tolmezzo mündet. Und so folgten wir ihr Schritt für Schritt bis zum ‚König der Alpenflüsse‘, der an Schönheit kaum zu überbieten ist.“
Unglaublich faszinierend
Der Naturfreund vergleicht den Tagliamento gerne mit einer schönen Frau, die sich immer wieder von einer anderen Seite zeigt. Mal sanft und liebreizend, mal wild und zerstörerisch. Im Sommer präsentiert sich der Alpenfluss als smaragdgrünes Band mit glitzernden Seitenarmen in einem riesigen weißen Schotterbett. Nach Schneeschmelze oder heftigem Regen kann er zu einem tosenden Strom wachsen, der alles mit sich reißt.
Genussvoll unterwegs
„Am Tagliamento, der 170 Kilometer lang ist, kann man so unglaublich viel erleben. Die Flusslandschaft ist eine Naturoase für Tiere und Pflanzen, aber auch die umliegenden Berge und Nebentäler haben ihren Reiz. Ein echtes Paradies für Wanderer, Radfahrer und Naturliebhaber. Wer einmal hier war, der kommt immer wieder“, schwärmt der Tagliamento-Kenner. Erst vor kurzem hat er eine neue Radtour entdeckt, die er allen Genießern nur empfehlen kann. Start der 26 Kilometer langen Strecke ist im Kulturstädtchen Venzone, das am Alpe-Adria-Radweg liegt. Nach Cappuccino und Müsliriegel in der Pasticceria „D‘ Altri Tempi“ am Hauptplatz geht es durch die Porta San Giovanni vor die Tore der Stadt und auf der SS13 über die Brücke nach Pioverno. Im Ort radelt man flußaufwärts Richtung Cavazzo Carnico. Einfach den Schildern „Tagliamento Ciclovia FVG6“ – der Radweg verläuft von der Quelle am Mauria-Pass quer durch Karnien und die Friaulische Tiefebene bis zur Adria – folgen.
Bei Amaro hat man Gelegenheit, die riesigen Autobahnbrücken von unten zu betrachten und die unglaubliche Größe des Flussbettes zu erfassen, das bei wenig Wasser einer Steinwüste gleicht. Wenn man dann auf die ruhige Regionalstraße SR512 stößt, biegt man links nach Cesclans ab und fährt zur Pieve di Santo Stefano hinauf. Von dort oben genießt man einen traumhaften Rundblick auf die Bergwelt und den türkisblauen Lago di Cavazzo. Aber nicht nur das Auge, auch der Gaumen will belohnt werden. Zum Glück findet man im Umkreis von wenigen Kilometern gleich drei Top-Lokale. In Cesclans bietet die Osteria Angeli Neri hervorragende Meeresfischküche und gemütliche Wohnzimmeratmosphäre. Fährt man nach Val-Cavazzo hinunter, kommt man zur Trattoria „Al Pescatore“ mit eigenem Fischteich, spezialisiert auf Süßwasserfisch und friulanische Küche. Und im Ristorante Borgo Poscolle in Cavazzo Carnico wird man mit feinster Slow-Food-Küche nach karnischer Art verwöhnt. Satt und zufrieden geht es auf demselben Weg zurück. Kurz vor der Brücke in Pioverno sollte man unbedingt einen Stopp am Flussufer einlegen, das hier einem Karibikstrand gleicht. Baden und Relaxen als Krönung eines sportlichen Genusstages, herrlich!
Mit Respekt vor der Natur
Darf man das so einfach? „Mich hat in den ganzen Jahren noch nie jemand gefragt, was ich hier mache. Wenn man die Natur respektiert, hat man ziemlich viele Freiheiten und ein richtiger Abenteurer würde ohnehin nie Müll hinterlassen.“ Da geben wir Gerhard Dörfler absolut recht!
Weitere Beiträge
































