Die Ursprünglichen

© Auch die Lamas wissen den Ausblick am Karnischen Höhenweg zu schätzen @ RMK/Kanatschnig
Vor 20 Jahren wurde die Idee der Bergsteigerdörfer geboren. 2006 veröffentlichte der Alpenverein die erste Broschüre über die „kleinen und feinen Bergsteigerdörfer“ – besondere Regionen fernab des Massentourismus und ohne großtechnologische Erschließungen. Von Anfang an mit dabei waren klingende alpine Orte wie Vent, Kals am Großglockner, Mallnitz und Lunz am See.
Aufnahmekriterien
Sie alle durften mit an Bord, weil sie Berge haben, die hoch genug sind, um dem Namen auch gerecht zu werden. Denn 1000 Meter Höhenunterschied braucht, wer sich Bergsteigerdorf nennen will. Doch das ist längst nicht alles: „Die in der Initiative Bergsteigerdörfer vereinten Ortschaften sind Alpinismuspioniere in ihren Regionen. Deshalb haben die Berge und das Bergsteigen im kulturellen Selbstverständnis der Einheimischen und Gäste einen hohen Wert. Hier ist das Bewusstsein über den notwendigen Einklang zwischen Natur und Mensch noch lebendig und man respektiert natürliche Grenzen. Weniger ist mehr, das ist die Devise.“ – Diese Philosophie hat sich der Alpenverein für die Bergsteigerdörfer auf die Fahnen – und die Webseite – geschrieben.
Perspektive für den Ort
Heute sind es 43 Bergsteigerdörfer in fünf Ländern, die Dorfgemeinschaften eine Perspektive bieten und Wanderern und anderen naturverbundenen Gästen die Alpen auf eine besonders schöne Weise näherbringen. Mit 23 Dörfern befinden sich die meisten von ihnen in Österreich.
Urlaub im Dorf
Aber wie genau funktioniert der Urlaub in einem Bergsteigerdorf? Marion Hetzenauer vom Österreichischen Alpenverein weiß die Antwort: „Vermutlich wie auch andernorts in den Alpenregionen. Wichtig ist es, die richtige Einstellung für den Urlaub im Bergsteigerdorf mitzubringen: Das wertzuschätzen, was da ist, das sportliche Abenteuer zu suchen und zugleich die Natur zu genießen, zur Ruhe zu kommen und sich auf die lokale Kultur einzulassen.“
Mallnitz für Anfänger
Natürlich gibt es von Dorf zu Dorf Unterschiede. Wer zum ersten Mal ein Bergsteigerdorf besuchen will, dem legt Hetzenauer etwa Mallnitz ans Herz: „Das Angebot der Bergsteigerdörfer richtet sich an Menschen, die sich bewusst und sportlich im alpinen Raum bewegen möchten und die Natur, Bewegung und regionale Qualität schätzen. Wer das neu ausprobiert, kann etwa versuchen, öffentlich anzureisen – dabei bietet sich das Bergsteigerdorf Mallnitz mit seinem Bahnanschluss an.“ In Mallnitz helfen dann Naturführer und Nationalpark-Ranger bei einer Wanderung vor Ort, die Natur bewusster wahrzunehmen.
Breites Angebot
Bergsteigerdörfer mit Naturpark und einem breiten Angebot sind unter anderem Steinbach am Attersee oder Weißbach bei Lofer. Wer sich auskennt und sein Wissen und Können im Bergsport schärfen will, kann bei einem Kurs der Alpenvereinsakademie oder bei den lokalen Bergführern teilnehmen – ein besonders schönes Format in einem Bergsteigerdorf ist da „Skitouren & Naturkunde“ in Kartitsch.
Mehr Lamas als Menschen
Kartitsch lohnt sich auch im Sommer und frühen Herbst, denn hier, etwa auf der Obstanserseehütte, ist der Karnische Höhenweg besonders schön. Wer früh genug aufsteht, trifft auf dem Wanderweg mehr Lamas als Menschen. Und das lauteste Zivilisationsgeräusch, das man am Morgen auf 2000 Metern hört, ist das Glockengebimmel der Kühe auf der italienischen Seite.
Die Alpen erhalten
Ihren Anfang genommen haben die Bergsteigerdörfer in Österreich. Doch auch in anderen Ländern wird man sich der Initiative mehr und mehr bewusst – und weiß sie auch zu schätzen. Denn die Marke bringt nicht nur umweltbewusste Gäste in die Region – sie hilft auch entscheidend mit, den Lebensraum Alpen zu erhalten. Die Zahl der neuen Bergsteigerdörfer ist freilich endlich. Hetzenauer: „Es gibt immer wieder Anfragen, aber eine größere Zahl an weiteren Dörfern, die die Kriterien erfüllen, ist in Österreich nicht zu erwarten.“
Mit den Öffis
Bergsteigerdörfer bemühen sich besonders um jene Gäste, die den Ort ohne eigenes Motorfahrzeug erreichen möchten. Die Gemeinden setzen sich aktiv für die Erhaltung und Verbesserung des öffentlichen Personenverkehrs ein.
Die Bergsteigerdörfer
Balme, Baška grapa, Campo Vallemaggia, Crissolo, Dovje-Mojstrana, Ginzling, Großes Walsertal, Grünau im Almtal, Gschnitztal, Göriach, Hüttschlag im Großarltal, Jezersko, Johnsbach im Gesäuse, Kreuth, Lauenen, Lavin – Guarda und Ardez, Lesachtal, Lungiarü, Lunz am See, Luče, Mallnitz, Malta, Matsch, Mauthen, Paularo, Ramsau bei Berchtesgaden, Region Sellraintal, Sachrang, Schleching, St. Antönien, St. Jodok – Schmirn- und Valsertal, Steinbach am Attersee, Steinberg am Rofan, Steirische Krakau, Tiroler Gailtal, Triora, Val di Zoldo, Valle Onsernone, Valle di Lozio, Vent im Ötztal, Villgratental, Weißbach bei Lofer, Zell/Sele.
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