Zu Gast im Brauhaus: Da braut sich was zusammen

Das Münchner Oktoberfest naht – und wer gern gutes Bier trinkt, aber die vollen Festzelte auf der Wiesn lieber meidet, der hat auch in der näheren Umgebung die freie Auswahl. Brauhäuser erfreuen sich hierzulande ungebrochener Beliebtheit – und das nicht erst seit gestern.
Ein Besuch in der Taverne
Als sich die ersten Gäste des Hirter Braukellers in Kärnten mit einem kühlen Bier erfrischten, hieß die Gaststätte noch Taverne – und das Getränk im Krug war Steinbier. Das war vor mehr als 755 Jahren – bereits 1270 wurde die Taverne in Hirt erstmals urkundlich erwähnt. Sie lag an der damaligen Eisenstraße Kärntens, einer wichtigen Handels- und Verkehrsverbindung. Gleichzeitig befand sich in unmittelbarer Nähe ein bedeutender Hochofen, später außerdem ein Eisenwerk. Dadurch hielten sich in Hirt viele Fuhrleute, Bergknappen, Hochofenarbeiter, Händler und Reisende auf, die verpflegt werden mussten. So wurde die Taverne zur Rast- und Ausschankstätte. Im 16. und 17. Jahrhundert schwang sich der Platz zu einem bedeutenden Wirtschaftsbetrieb mit Schmiede, Mühle, Säge und landwirtschaftlichen Gütern auf.
Wichtige Vorschriften
Und die Gäste konnten sich auch Jahre später sicher sein, hier gut verpflegt zu werden: Denn 1612 schrieb das Domkapitel dem Wirt ausdrücklich vor, den Gästen „gute Getränke, gute Speisen und sauberes Bettzeug“ bereitzustellen. Daran hält sich der Hirter Braukeller bis heute: Regionale Küche, nachhaltiger Einkauf, moderne Bierkulinarik und Gastfreundschaft sind dem historisch gewachsenen Braukeller im 21. Jahrhundert besonders wichtig.
Respekt vor der Geschichte
Viel Respekt vor der Geschichte hat man auch im Villacher Brauhof: Die Wurzeln des Standorts reichen bis ins Jahr 1675 zurück, als an dieser Stelle das erste Gasthaus entstand. 1738 wurde die Brauerei unter Jakob Fischer erstmals urkundlich erwähnt. Mit dem Umbau zu einer modernen Dampfkesselbrauerei durch Johann Fischer im Jahr 1858 begann die Entwicklung zu einer der bedeutendsten Braustätten Kärntens. Bis heute verbindet der Villacher Brauhof gekonnt regionale Gastlichkeit, Kärntner Kulinarik und gelebte Brautradition. Wer im Gastgarten ein schattiges Platzerl unter einem der alten Kastanienbäume ergattert, lässt sich also nicht nur Brauhof-Gulasch und Bier-Tiramisu schmecken, sondern atmet auch die Geschichte dieses besonderen Ortes ein.
Italienisch brauen
Wesentlich jünger ist das Brauhaus Martinerhof in St. Martin in Passeier in Südtirol. Die kurze Geschichte der Braukunst hier hat auch etwas für sich: In dem Familienunternehmen hat man das Beste aus allen Welten vereint: Neben der Brauerei und dem Brauhaus machen ein Hotel und eine Pizzeria den Besuch in dem italienischen Ort seit fast 20 Jahren zu einem Erlebnis. Während Braumeister Matthias Bier braut, serviert man im Brauhaus typisch Südtirolerisches wie Knödeltris auf Salat, aber auch leichte Küche wie eine vegane Salat-Bowl mit Kichererbsen-Falafel. Ein perfekter Abschluss nach einem Wandertag in den Bergen.
Mitten im Hopfenfeld
Ganz unkonventionell gibt sich die Craft-Brauerei Clef im slowenischen Savinja-Tal. Hier kann man inmitten von Hopfenfeldern Bier trinken und der Live-Musik lauschen. Als Kulisse dient ein jahrhundertealtes Gehöft mit langer Tradition im Hopfenanbau. Von Mai bis Oktober verwandelt sich das Dorf Arja vas jeden Donnerstag- und Freitagabend in ein Paradies für Feinschmecker – mit Streetfood aus der Region sowie wöchentlich wechselnden Food-Ständen. Und dazu gibt es – natürlich – ein frisch gezapftes Bier.
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