Sterne schauen

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184 Stufen sind es bis zu den Sternen – zumindest wenn man sie von der Klagenfurter Sternwarte aus betrachten will. Der schöne Aussichtsturm, auf dem die Warte sitzt, ist 36 Meter hoch – in etwa so hoch wie ein zwölfstöckiges Haus – und steht unter Denkmalschutz. Hier, im Giordano Bruno Weg 1, beginnt der Besuch bei den Sternen. Selbiger musste seine Leidenschaft für Kosmologie anno 1600 mit dem Leben bezahlen – er wurde für seine kühnen Ideen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dabei steckt diese Sehnsucht nach den Sternen in jedem von uns: Der Blick zum Himmel, die Fragen nach dem Woher und Warum und die Suche nach Antworten beschäftigen die Menschen seit Tausenden von Jahren.
Mit eigenen Augen
Es gibt viele Arten, um die Sterne zu bestaunen. Die Himmelskörper auf einer Sternwarte zu betrachten, hat aber einen besonderen Reiz. Kurt Anetzhuber von der Astronomischen Vereinigung Kärntens erklärt, warum: „Man sieht hier die Sterne mit eigenen Augen – kein Foto oder Bild davon.“ Ein weiterer Vorteil der Sternwarte: „Wir sagen den Betrachtern, was sie sehen.“
Das Programm im Herbst
Und zu sehen, gibt es so einiges am Himmelszelt: Den Andromedanebel zum Beispiel – er ist im Herbst besonders gut erkennbar – etwa 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, ist er die nächste große Spiralgalaxie und das fernste Objekt, das Sternengucker unter guten Bedingungen mit bloßem Auge sehen können. Auf Sternwarten und Observatorien erfährt man auch, dass die Farbe eines Sterns sein Alter verrät. Bläulich leuchtende Sterne sind sehr jung, gerade einmal 200 bis 400 Millionen Jahre alt. „Sie wurden quasi gerade erst geboren“, erklärt Anetzhuber. Sie sieht man im Herbst besonders gut. Rötlich leuchtende Sterne wiederum sind alt, die „roten Riesen“ stehen am Ende ihres Lebens.
Saturn und sein Ring
Was Himmelsbeobachter besonders freut: Der Planet Saturn ist im Herbst wieder mit seinem Ring zu sehen. Ende Oktober sieht man auch die Plejaden, eine kleine Sternengruppe, besonders gut. Auch diese Gruppe gehört der jungen Generation von Sternen an, sind sie doch gerade einmal 200 bis 400 Millionen Jahre alt. Ein Teleskopschwenk lohnt sich auch zum Orionnebel – dort entstehen gerade neue Sonnensysteme. – Da kann man schon einmal einen Blick riskieren. Die häufigste Frage, die den Experten der Sternwarte zum Nachthimmel gestellt wird, ist aber zumeist jene nach dem eigenen Sternenbild. Auch beim Finden von Widder, Löwe und Waage sind die Astronomen gerne behilflich.
Die schönste Dunkelheit
Doch egal, was uns dort oben am Himmel am meisten begeistert: Für eine gute Sicht auf die hellen Lichter braucht man vor allem eines: Dunkelheit. Das klingt einfacher, als es ist. In ganz Österreich gibt es lediglich drei Regionen, die nachts so stockdunkel werden, dass sie dafür die Auszeichnung „Sternenpark“ verdienen: die Region Attersee-Traunsee in Oberösterreich, Eisenwurzen in Niederösterreich und der Naturpark Weißbach bei Lofer in Salzburg. Hier sind die Nächte ideal, um Sterne zu beobachten. Die Organisation Dark Sky International im US-Bundesstaat Arizona verleiht diese Auszeichnung weltweit an Regionen, in denen die Lichtverschmutzung besonders gering ist. Es sind nicht viele.
Sich Zeit nehmen
Anderswo gilt: Wer sich die Zeit nimmt, sieht auch mehr von den Sternen. Eine Nacht zu zweit im „Biwak unter Sternen“ am Kärntner Millstätter See kann da recht hilfreich sein. Das kleine Refugium inmitten der Natur duftet nach Zirbenholz, während große Panoramafenster den Blick auf die Sterne freigeben. Die Biwaks Millstätter See bieten auf 15 Quadratmetern alles, was man braucht, um den Blick wieder auf das Wesentliche zu richten.
Was man braucht
Wer die Sterne beobachten will, kann sich natürlich auch ein teures Teleskop kaufen. Anfänger in Sachen Sternenbeobachtung brauchen aber – neben einem geeigneten Platz – nur ein aktuelles Astronomie-Buch (unter anderem das „Kosmos Himmelsjahr 2026“) und ein Fernglas. So wird der Blick zum Himmel schnell und kompliziert zum Erlebnis – egal ob bei einem Sternenpicknick, bei der Sternenfotografie oder während einer Sternenwanderung.
Aus Sternenstaub gebaut
Zurück zur Sternwarte Klagenfurt und auf die Erde. Auf dem Boden der Tatsachen ist man den Sternen zwar wieder etwas ferner – dafür um einige Antworten reicher. Und da wir alle aus Sternenstaub gebaut sind, tragen wir die Sterne auch dann mit uns, wenn am Nachthimmel gerade keine zu sehen sind.
Fünf-Sterne-Programm
Österreichs insgesamt drei Sternenparks in Weißbach bei Lofer, in der Region Attersee-Traunsee und Eisenwurzen gelten als Hotspots für Sternenbeobachtung. Ebenso beeindruckend sind der Millstätter See in Kärnten mit seinen Biwaks unter dem Sternenhimmel, die Planetarien in Wien, der Nationalpark Gesäuse in der Steiermark und die Sternenwanderungen im Lungau. Die Sterne lassen sich am besten in klaren Nächten zwischen August und Oktober sowie an kalten, wolkenfreien Winterabenden beobachten.
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